zurück zur Startseite extranet | english | français
Wir über unsKontakt
Wir über uns | Ziele| Aktuelles / Pressemitteilungen| Mitglieder

 Aktuelles / Pressemitteilungen
zurück
04.04.2005

Behindertenhilfe stärker am Betroffenen orientieren -
Brüsseler Kreis und Kostenträger wollen neue Ansätze prüfen


Die Zahl der Menschen mit Behinderungen wächst. Diesen Menschen soll zukünftig ein höheres Maß an Selbstbestimmung ermöglicht werden. Dies erfordert neue Formen der Hilfe, die weniger von der Fürsorge bestimmt ist. Vor diesem Hintergrund haben die Mitglieder des Brüsseler Kreises mit Vertretern der überörtlichen Sozialhilfeträger zukunftsfähige Ansätze für die Behindertenhilfe in Deutschland entwickelt, die sich am individuellen Bedarf orientieren, die Nutzer stärker zum handelnden Subjekt werden lassen und schließlich die Finanzierung der Leistungsangebote am Ergebnis und der erbrachten Qualität ausrichten. Die verschiedenen Ansätze sollen in einzelnen Modellprojekten regional erprobt werden.

"Wenn es gelingt, die gesellschaftlichen Lebensbedingungen behindertenfreundlich zu gestalten und behinderte Menschen stärker an normalen Lebensvollzügen teilhaben zu lassen, können professionelle Dienstleister bedarfsgerechte Module anbieten anstatt eine Vollversorgung vorhalten zu müssen", erläuterte der Sprecher des Brüsseler Kreises, Christian Tölken, eine Grundüberlegung zur Weiterentwicklung der Behindertenhilfe. In die Gestaltung der vertraglichen Beziehungen zwischen Leistungserbringern und Leistungsträgern seien überdies die Betroffenen etwa in Form von "Angehörigenbeiräten" verstärkt einzubinden. Auch sei das Instrument der "Kundenbefragung" intensiver zu nutzen. Die Betroffenen seien geradezu dazu zu ermuntern, Beschwernisse und Beeinträchtigungen im Ablauf des täglichen Lebens beim Leistungsträger vorzubringen.

Überhaupt ist aus Sicht des Brüsseler Kreises die Qualität der Hilfeleistung das zentrale Kriterium. Die elf großen evangelischen und katholischen Sozialunternehmen des Brüsseler Kreises treten daher dafür ein, neue Verfahren und Kriterien zu entwickeln, um die Ergebnisqualität zu messen. Die Qualität soll auch das zentrale Steuerungselement sein. "Wir brauchen", so Tölken, "keine festgelegten Personalschlüssel, die uns Personalstruktur und -umfang genau vorschreiben. Entscheidend ist der individuelle Betreuungsbedarf eines behinderten Menschen". Ein wichtiger Ansatz für flexible Organisations- und Personalstrukturen sei daher eine Output-Kontrolle, die unter anderem an individuell festgelegten Betreuungszielen und Betreuungsplanungen sowie einer standardisierten Dokumentation der Zielerreichung und der Kundenzufriedenheit festmacht.

Schließlich sind die Mitglieder des Brüsseler Kreises und Vertreter der überörtlichen Sozialhilfeträger überzeugt, dass es künftig gilt, die übliche objektbezogene Förderung mittelfristig abzulösen. Die bisherigen Investitionszuschüsse sollten zugunsten individueller Pflegesätze umgewandelt werden.

Der Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der überörtlichen Träger der Sozialhilfe (BAGüS), Dr. Fritz Baur, teilte mit, dass "die Mitgliederversammlung der BAGüS im nun vorliegenden Positionspapier eine Möglichkeit sieht, die Eingliederungshilfe weiter zu entwickeln. Das Papier biete insbesondere eine Perspektive zur zukünftigen Entwicklung von Komplexeinrichtungen."

Die Mitgliedsunternehmen des Brüsseler Kreises sind bereit, die verschiedenen Ansätze in Modellversuchen vor Ort auf ihre Praxistauglichkeit zu testen. Dabei sind sie sich bewusst, dass die mit den neuen Ansätzen verbundenen unternehmerischen Freiheiten für die Sozialunternehmen auch Risiken bergen. Schließlich bedeuten freie Leistungsgestaltung und Standortwahl, unterschiedliches Leistungsniveau und Preisdifferenzierung auch das Risiko, nicht oder nur wenig nachgefragt zu werden. Dafür erhalte der Sozialunternehmer die Chance, alternative Angebote zu machen. Die Mitgliedsunternehmen des Brüsseler Kreises jedenfalls gehen von einem großen Innovationsschub aus, der auch zu kostengünstigen, für die Leistungsbezieher befriedigenden Lösungen führt. "Mittel- und langfristig", so Tölken, "wird das zu einer Win-Win-Situation im Sinne der Menschen mit Behinderungen führen."

Gegenwärtig führen einzelne Mitgliedsunternehmen mit verschiedenen überörtlichen Sozialhilfeträgern Gespräche über konkrete Modellversuche.

Bei Rückfragen und Interviewwünschen wenden Sie sich bitte an: Udo Gaden, Sozialwerk St. Georg e.V., Telefon: 0209 - 70 04 224, Telefax: 0209 - 70 04 249, E-Mail: u.gaden@sozialwerk-st-georg.de.

Der Brüsseler Kreis ist ein Zusammenschluss von elf großen evangelischen und katholischen Sozialunternehmen*. Er ist tätig in den Bereichen Behindertenhilfe, Altenhilfe, Jugendhilfe und Bildung. Mit rund 40.000 Mitarbeitenden und mehr als 35.000 stationären, teilstationären und ambulanten Angeboten erreicht er jährlich rund 100.000 Klienten und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von rund € 1,7 Mrd.



Geschäftsstelle
Sozialwerk St. Georg e.V.
Udo Gaden
Emscherstraße 62
45891 Gelsenkirchen

Telefon 02 09 / 70 04 224
Telefax 02 09 / 70 04 249
E-Mail:
u.gaden@sozialwerk-st-georg.de







Berliner Büro
Brüsseler Kreis
Palisadenstraße 48
Telefon 030 / 49 85 50-51
Telefax 030 / 49 85 50-52








Sprecher
Christian Tölken
Rummelsberger Dienste
für Menschen gGmbH
Postfach 1161
90588 Schwarzenbruck




*Christophorus-Werk Lingen e. V., Diakonie-Hilfswerk Schleswig-Holstein, Dominikus-Ringeisen-Werk, Evangelische Stiftung Altersdorf, Evangelische Stiftung Hephata, Josefs-Gesellschaft e. V., Katholische Jugendfürsorge der Diözese Augsburg e. V., Rummelsberger Anstalten e. V., Sozialwerk St. Georg e. V., Stiftung Liebenau, Stiftung St. Franziskus Heiligenbronn
zurück

© Der Brüsseler Kreis Impressum Druckversion